0
0 In Kurzgeschichten

Post an Jenny – Wie fühlt sich Mutterschaft eigentlich an?

Brief an Dich

Liebe Jenny!

Danke für Deinen tollen Brief. Ich möchte Dir gleich antworten!
Es ist so spannend Deine Alltags-Geschichten zu lesen mit Deinen teilweise schon deutlich älteren Kindern als Hauptdarsteller. Damit läßt sich etwas erahnen, was in Zukunft auch auf uns warten wird. Momentan scheint es noch unvorstellbar mit diesem kleinen Wesen (welches noch nicht mal sprechen kann) zu streiten. Doch da man ja am intensivsten mit seinen nächsten Herzensmenschen streitet, ist es gewiß, dass Frida und ich ebenfalls Themen haben werden. Was werden wohl unsere Themen sein? Klassiker wie „das Zimmer aufräumen“, „Du machst jetzt was ich sage“, „Hausaufgaben machen“, „essen was auf den Tisch kommt“?
Wenn es dann soweit ist, wünscht man sich sicher die Zeit zurück, in der man sich nonverbal so gut verstanden hat.
Briefe zu schreiben als Ansatz zur Konfliktlösung finde ich ganz toll. Das habe ich noch nie in dieser Form gehört zwischen Mutter und Kind. Es klingt sehr reif und reflektiert und nach einer guten Lösung für Euch Beide nach einem erschöpfenden Streit.

Ich bin letztens über einen Satz von Dir gestolpert: „Manchmal fühlt sich Mutterschaft nicht genauso an, wie man es sich typischerweise vorstellt.

Wie stellt man sich Muttersein eigentlich vor? Stellt man sich überhaupt etwas vor? Viele Frauen beschäftigen sich sicherlich in der Schwangerschaft spätestens mit dieser Frage. Ich selbst habe mir kurz vor der Geburt nur wenig Gedanken gemacht und mich ausschließlich von meinen positiven und aufgeregten Gefühlen leiten lassen.

Wenn ich jetzt über Mutterschaft nachdenke, dann kommt mir sofort mein eigenes Verhältnis zu meiner Mutter in den Sinn. Unsere Bindung war und ist sehr eng. Ich bin also immer davon ausgegangen, dass dieser Bund auch ganz selbstverständlich zwischen mir und meiner Tochter existieren muss. Mutterschaft ist etwas Reines, etwas Schönes, etwas Schützendes, etwas Bedingungsloses.

Nach nun 1,5 Jahren Mutterschafts-Erfahrung kann ich bestätigen, das ist alles wahr.
Aber es kommen noch weitere Gefühle hinzu. In der Mutterschaft begegnet mir neben allen Glücksgefühlen auch eine milde Form von Eifersucht, Enttäuschung und Irritation.

Frida Elise ist kein Baby mehr. Sie entscheidet selbst, mit wem sie Spaß hat, Bücher liest oder kuschelt. Sie zeigt dies in einer kindlichen Direktheit, die mich eiskalt erwischt hat. Mutterschaft! Es bedeutet eben auch zu lernen, dass mein Kind ein eigenständiges Wesen ist mit eigenem Willen und ich den Großmut haben muß, bei aller Liebe, sie jetzt schon ziehen zu lassen.

Sie ist keine Puppe und kein Kuscheltier, dass unentwegt und willenlos liebkost werden kann. Sie teilt Liebe aus und möchte Liebe empfangen in dem Maße, dass sie braucht und von wem ihrer Bezugspersonen sie es gerade braucht.

Ich habe Christian heute gefragt, was er für Vorstellungen von der Vaterschaft hatte und ob diese erfüllt seien? Unter anderem erwähnte er die große Neugierde wie sich die Liebe zu einem Kind wohl anfühlt und ob diese Liebe vom Kind auch erwidert wird. Dass die Liebe eines Kindes nicht erwidert werden könnte, hätte ich niemals in Frage gestellt. Und doch ist dieser Gedanke so richtig und so respektvoll dem Kind gegenüber.

Ich bin sehr gespannt auf unsere Reise mit Frida und was sie uns alles beibringen wird. Sie ist ganz sicher nicht die Einzige, die viel zu lernen hat, soviel steht fest!

Liebe Jenny, was bedeutet Mutterschaft für Dich?

Herzliche Grüße,

Deine Simi

No Comments

Kommentar verfassen