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13 Monate

Ich möchte gern eine neue Rubrik anfangen und bin gespannt, ob ihr sie gerne lest. Ich möchte Euch alle 4 Wochen erzählen, wie sich mein Leben mit Frida verändert:

Was lernt sie gerade? Was lerne ich dadurch? Was hat sich verändert?

Es ist so interessant, wie sich die Kleinen Schritt für Schritt entwickeln und ich habe immer gern über Alltagssituation anderer Mütter gehört, deren Kinder im ähnlichen Alter sind. Was ist typisch für das Alter? Welche Verhaltensweisen, welche Launen, welche Laute?

Es geht mir überhaupt nicht um Vergleiche. Ich möchte ganz und gar nicht Baby mit Baby, Kind mit Kind vergleichen – es gibt in der kindlichen Entwicklung riesengroße Spannen, das wissen wir alle. Ein Kind läuft im Alter zwischen 12 und 18 Monaten, selbst hier gibt Ausschläge nach vorne und nach hinten.

Ich finde es einfach schön, sich selbst vielleicht in gewissen Situationen bzw. das Verhalten des Kindes wiederzuerkennen. Mein Wunsch wäre, dass ihr schmunzelnd meine Monats-Beiträge lest und denkt: „Achja, das haben wir auch gerade; das kenne ich.“ Manchmal glaubt man auch, sein Kind hat einen ganz individuellen Tick, bis Du es bei anderen Kindern auch siehst und Dir eine Mutter erklärt, was es damit auf sich hat.

Ein Beispiel dafür aus früheren Zeiten ist, dass Frida anfing sich gelegentlich leicht zu schütteln. Der ganze kleine Körper hat kurz gebebt. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass das Baby´s machen, wenn sie gerade pinkeln. Ein lustiges Aha-Erlebnis.

Nun aber zurück zum aktuellen Stand – Frida ist 13 Monate alt und das bedeutet BEI UNS Folgendes:

Erstmal das größte Ereignis – Frida macht ihre ersten Schritte, erst zaghaft, dann jeden Tag ein paar mehr. Nach wochenlangem Hochziehen, an Möbeln entlangschlängeln und an den Händen von Erwachsenen laufen, traut sie sich endlich auch allein. Sie übt ganz fleißig Tag für Tag um noch sicherer zu werden und ist dabei stolz wie Oscar. Nicht nur sie!

Wir feuerten sie mächtig an, als sie ihre allerersten Schritte allein ging. Dabei trommelte sie ihre Fäuste auf die Brust wie ein Gorilla, dann flogen ihre Ärmchen in die Höhe als wollte sie sich erst selbst anfeuern, dann abfeiern. Ein magischer Moment.

Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass sie das Laufen zu einem großen Mädchen macht, weg vom Baby, hin zum Kleinkind. Ich habe das Gefühl, sie denkt sie ist nun groß. Sie kann nun endlich auch all das, was alle großen laufenden Kinder können. Ihr Wille ist noch stärker, ihr Frust manchmal noch größer und ihr Mut wächst über sie hinaus.

Wir sind auf dem Spielplatz und ich ahne schon Böses – Frida will nicht nur rutschen; nein, sie möchte auch jedes Mal die Rutsche von unten wieder hochlaufen. Jeder Versuch sie davon abzubringen, wird mit großem Protest niedergeschmettert. Sie wirft den Kopf nach hinten vor Wut und wird ganz zornig. Ich muss fast schon wieder lachen, das soll aber unfair sein, deswegen unterdrücke ich es und sammle den kleinen Zornigel auf, um ihn abzulenken. Während ich sie zur Babyschaukel trage, erzähle ich ihr, dass man die Rutschbahn generell nicht von unten nach oben hochlaufen sollte und sie mit ihren 13 Monaten schon mal garnicht.

Frida bildet viele unterschiedliche Laute, manchmal spricht sie wirklich Sätze. Sätze, die ich leider noch nicht verstehen kann. Aber es sind unterschiedlich klingende Laute, gar Worte aneinandergereiht – wie frustrierend muß es sein, wenn man so toll sprechen kann und doch nicht verstanden wird.

Das schafft sie allerdings auf andere Art und Weise und das ist ein riesengroßer Fortschritt. Frida kann kommunizieren! Sie deutet auf Dinge, die sie interessieren, die sie näher erkunden möchte. Sie zeigt an, ob sie mehr essen oder trinken möchte, sie hebt die Arme wenn sie getragen werden möchte, sie setzt sich vor die Haustür, wenn sie raus möchte und sie zeigt deutlich wenn sie allein nicht weiterkommt und meine Hilfe benötigt.

Frida bewegt sich im Lauf- und Krabbelmodus gen Schaukel und bleibt kurz davor sitzen in Wartehaltung. Das selbstbewußte Kind weiß, sie kann bereits vieles allein – aber bis in die Schaukel hat es noch nie geklappt. Also dreht sie sich um, sieht mich, winkt mich her – Tatsache – sie winkt mir nicht zu, nein, sie winkt mich zu ihr:  „Kommst Du mal bitte JETZT“, sagt sie. Als ich da bin, darf ich die gnädige Dame in die Schaukel setzen und wir sind alle glücklich. Mein Kind und ich, das Mittel zum Zweck.

Aber sind wir Mütter das nicht alle gerne, das Mittel zum Zweck? Wie herrlich ist es zu sehen, wie aus dem einst winzigen Bündel ein Kind wird, dass lenkt, entscheidet und nach vorne geht.

13 Monate, mein kleines großes Mädchen, mit einem Charakterköpfchen voller Locken, Energie, Neugierde und Lebenslust! Was dürfen wir nächsten Monat mit Dir erleben?

 

 

 

 

 

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