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das Mutter-Tier

Muttertier, Mutter mit Puppe

Das erste Jahr, das die meisten Mütter zu Hause sind, ist ja ein sehr spezielles Jahr. Der Rhythmus ist durcheinander, plötzlich findet man sich in PEKIB-Kursen wieder, von denen man früher aus Erzählungen von anderen Müttern nie verstanden hat was das wirklich ist. Mütter im Kreis auf Turnmatten und nackten Babys? Wirklich?

Man entdeckt eine neue Welt – die Welt einer Mutter. Wie damals im Job, gibt es auch hier keine Einarbeitungsphase; der Übergang ist nahtlos; das Wasser ist kalt, sehr kalt! Brrrr. Aber wir Mütter können ja schwimmen…

Der kleine Mensch nimmt großen Raum ein, der vorher auf diverse Bereiche aufgeteilt wurde – Zeit für mich, Zeit für meinen Partner, Zeit für meine Eltern und Freunde! Meine Karriere! Man muss sich also schnell neu und anders organisieren, um nicht unterzugehen.

Da wir Frauen belastbar und multi-tasking-fähig sind, klappt das glücklicherweise recht schnell – wir finden immer noch Zeit für den Partner, Freunde und Familie und stecken selbst ganz bescheiden gerne zurück. Falls es Hobbies überhaupt noch gab, sind diese spätestens jetzt durch einen aufwendigeren Haushalt ersetzt. Die alltäglichen Dinge sind zwar noch dieselben, nur gestalten sie sich etwas anders. Spontan nochmal zurück in die Wohnung in den 3. Stock laufen, weil man etwas vergessen hat, überlegt man sich mit schwerem Gepäck (Baby) noch 3 mal. (Es sei denn es handelt sich hierbei um essentiell wichtige Utensilien wie Schnuller und Snacks) Schnell zur Bahn rennen, weil man knapp dran ist, geht, ist aber mit einem großen Kinderwagen und kostbarer Fracht nicht zu empfehlen. Schnell noch den richtigen Eingang mit der Kinderwagen-Kennzeichnung zum Bahn-Inneren suchen  und nur noch den großen Wagen in die enge vollbesetzte Bahn heben. Mutter gewöhnt sich dran. Das nächste Mal planen wir 5 min mehr ein. Denn Zeit, die hat die Mutter ja. So denkt Man(n).

Ähnlich wie beim flüchtigen Jogging-Gruß, lächelt man nun freundlich der Mutter mit Kinderwagen auf der gleichen Strassenseite zu. Man ist in einem Boot. Man weiß, wie herausfordernd es sein kann mit Kind unterwegs zu sein; man ist ähnlich bepackt mit diversen Taschen, in denen man ständig den Snack vergeblich sucht, damit das Kind kurz Ruhe gibt. Man trifft sie auf Spielplätzen, in Café´s, beim Einkaufen, in der Bahn – überall!

Unterschiedlichste Frauen haben nun eine Riesengemeinsamkeit – wir sind Mütter. Das bedeutet aber nicht, dass wir nun alle Freundinnen sind. Auf Spielplätzen kann man ein Cliquen-Verhalten beobachten. Es erinnert mich ein wenig an amerikanische High-school Filme, wo die unterschiedlichen Teenager ganz klar kategorisiert werden- die Coolen, die Streber, die Nerds…Also – was für Sorten Mütter haben wir?

Erstmal kann man sie in der Kontakt-Suche unterscheiden: Mütter die meist allein mit ihrem Kind auf den Spielplatz gehen und diejenigen, die sich dort mit Freundinnen treffen und somit sozial bedient sind. Erstere nähern sich schnell an mit den Fragen „Wie alt ist Deine denn?“ Ein ähnliches Alter ist sehr hilfreich für die weitere Unterhaltung.. („Ist das ein Mädchen oder ein Junge?“ gehört nicht zu meinen Lieblingsfragen. Frida ist mittlerweile 14 Monate alt – erkennt man das immer noch nicht? Noch schlimmer wird es, wenn ich die Frage mit „Mädchen“ beantworte und darauf ein überflüssiges „hätte aber auch ein Junge sein können“ kommt) Nichts gegen Jungs.

Wir haben hier passive und aktive Muttis; diejenigen die mehr auf ihrem Handy als mit ihrem Kind unterwegs sind und diejenigen, die im Sand sitzen und Ausdauer beweisen im Sandkuchen essen.

Ein großer Unterschied macht die Anzahl der Kinder. Mütter mit nur einem Kind können sich meist entspannt ihrem Kind widmen (oder auch zusätzlich dem Handy bzw. anderen Dingen). Mütter mit mehr als einem Kind sieht man durchaus öfter über den Spielplatz flitzen, um das Kleinere mal wieder von der Wasserpumpe wegzuholen während sie nie das ältere Kind aus den Augen verliert.

Es gibt die Mütter, die für jede Eventualität gut vorbereitet sind und eine Unmenge an Tupperware mit Snacks und frischem Obst für die Kinder dabei haben und diejenigen, die unvorbereitet kommen und sich sowohl durch Apfelschnittchen, als auch durch Sandförmchen schnorren.

Es gibt Mütter, die ihrer Unterhaltung folgen, während ihr Kind gerade einen Spielzeug-Bagger auf den Kopf eines Anderen haut (hier zeigt sich ein eher anti-autoritärer Erziehungsstil) und welche, die unentwegt und auch laut maßregeln, so dass jeder auf dem Spielplatz nach nur wenigen Minuten den Namen des Kindes mehrfach gehört hat und somit kennt.

Es gibt Mütter, die noch das fleckige T-Shirt von gestern tragen und andere, die mit knalligem Lippenstift auf dem Spielplatz erscheinen. Manche bleiben gefühlt den ganzen Tag, andere sehnen sich bereits nach 30 Minuten nach einer Abwechslung und setzen ihr Tagesprogramm fort.

Es gibt junge und ältere Mütter, sympathische und unsympathische, offene oder verschlossene, entspannte oder genervte Mütter, Übermutter oder Laisser-faire-Liebhaber – und trotzdem haben wir alle diese eine Gemeinsamkeit – unser Kind verbindet uns. Wir verstehen uns! Danke Mami-Blase.

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