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15 Monate

15 Monate, Erfahrungsbericht

..schon wieder ist ein Monat vergangen und schon wieder erscheint mir Frida ein Stückchen erwachsener… Baby oder Kleinkind – wieso gibt es hier eigentlich keine Bezeichnung für den Schritt dazwischen? Definitiv kein Baby mehr. Kleinkind ist sicherlich bald zutreffend, fühlt sich aber momentan für mich noch etwas befremdlich an für Klein-Frida.

Stolze 78 cm groß, entdeckt Frida weiter die Welt. Mehr und mehr möchte sie neben mir her laufen und nicht ausschließlich im Kinderwagen gefahren werden. Obwohl es dort beneidenswert muckelig warm und geschützt ist vor dem frischen Herbstwetter. Sie freut sich wie Bolle, wenn sie neben mir her wackeln darf und endlich auch den Gulli nebenan näher betrachten kann, die Litfaßsäule, den Treppenaufgang, den Bordstein, die geparkten Fahrräder, die vielen Herbstblätter am Boden. Manchmal darf ich kurz ihre Hand dabei halten, das rührt mich ungemein. Ich finde kaum etwas schöner, als diese kleine Hand zu halten.

Bewegung bleibt ein großes Thema: Laufen geht manchmal schon in einen kurzen Sprint über; zu Musik wird gestampft und gewackelt –  ich möchte es fast schon tanzen nennen. Ein freudiger Anblick! Auf der Rutschbahn ist normal rutschen sowieso langweilig, also werden alle möglichen Positionen ausprobiert – rückwärts, bäuchlings, auch mal im Spagat. Normal wäre ja einfach und für Babies. Mutti hält den Atem an bis Frida wieder unten angelangt ist. Nicht zu Unrecht, denn blutige Unfälle kamen hier schon vor. Stühle, Couch und weitere Kleinmöbel sind nicht mehr sicher, denn überall klettert sie hoch. Sie schafft es noch nicht ganz allein, doch die Zeit wird kommen und ich frage mich zunehmend oft „was kann ich dem kleinen Mädchen zutrauen? Wie oft und wie lange muß ich mit schützenden Armen in Hilfestellung daneben stehen? Was kann sie schon ganz allein?“

Ganz spannend ist gerade die Sprachentwicklung – es fallen tatsächlich Worte und ich bin jedesmal höchst fasziniert! Dieser kleine Mensch, den ich schreiend, glucksend, brabbelnd kennenlernen durfte, der später zu einer Art Fantasiesprache überging (bzw. ihrer eigenen Sprache, die ich nicht verstand), kommuniziert nun in meiner Sprache?! Die Wörter Mama und Papa sind bereits in ihrem kleinen Wortschatz vorhanden (Papa sagt sie übrigens deutlich häufiger als Mama). Auto ist klar verständlich; auf und zu sowie bitte (das u.a. hat sie in der KiTa gelernt) tönen aus dieser kleinen Schnute. Ich kann es kaum erwarten, dass Frida mir die Ohren vollquatscht und doch ist die Vorstellung noch etwas befremdlich und weit weg, verständigen wir uns jetzt doch auch so gut durch Blicke, Gesten, Zeichen und Körpersprache.

Diesen Zwiespalt erfahre ich häufig bei meinem Kind. Zum einen die riesengroße Freude auf all das was noch kommt. Zum anderen der Wunsch, es genau so festhalten und einfrieren zu können, wie es gerade ist.

Wenn wir nun bei Emotionen angekommen sind, habe ich abschließend noch eine Geschichte von Frida Elise. Dieser 15. Monat scheint bei uns ein Monat der großen Gefühle zu sein…

Ich merke, dass sie ihre Gefühle besser mitteilen kann. Früher hat sie mich eigentlich erstmal nur kritisch betrachtet, wenn ich sie aus der KiTa abgeholt habe, jetzt freut sie sich tatsächlich. Sie drückt das auf ihre Art und Weise aus – Quietschen, Quieken, Lachen, Wegrennen. Aber ich weiß, dass es Freude ist.

Weiterhin glaube ich, sie experimentiert mit ihren Gefühlen bzw. Beziehungen zu anderen Menschen. Ohne psychologisches Hintergrundwissen würde ich mal behaupten, es findet eine Art Abnabelung von der Mutter statt. Frida war noch nie ein anhängliches Kind (was viele viele Vorteile hat, aber ein Mutterherz auch schon mal schwer machen kann). Momentan sucht sie aber noch offensiver Kontakt zu anderen Menschen als zuvor. Das kann meine Freundin sein, zu der sie auf den Arm möchte; Erzieherinnen in der KiTa, zu denen sie Nähe sucht oder ganz besonders die Großeltern, die eine ganz spezielle, große und exklusive Rolle einnehmen.

Jedes Kind ist anders. Ich würde zu gern Eure Geschichten hören! Kommt Euch etwas bekannt vor? Verhält sich Euer Kind ähnlich bzw. kennt ihr diese Phasen, von denen ich schreibe?

Neues von uns gibt es in vier Wochen, wenn es heißt: 16 Monate!

 

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